Ziele und Arbeitsphasen
Durch die Lancierung des Projekts "Einführung der Kostenrechnung an den universitären Institutionen" im Jahr 1999, das eine Fortsetzung des "New Public Management / NPM" darstellt, wollte die damalige SHK ein Instrument schaffen, um bei den Kosten für die Leistungen der universitären Hochschulen mehr Transparenz zu erreichen und über vergleichbare Daten zu verfügen. Zu diesem Zweck hatte sie eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, ein gemeinsames Kostenrechnungsmodell auszuarbeiten.
Die finanziell vom Bund unterstützten Arbeiten liefen in fünf Phasen ab, deren letzte noch im Gange ist:
- Entwicklung des Kostenrechnungsmodells, Vernehmlassung an den universitären Hochschulen und Validierung;
- Umsetzung an Universitäten und ETH;
- Synthetisierung zur Ermittlung der Ergebnisse auf gesamtschweizerischer Ebene;
- Evaluation des Modells und seiner Umsetzung an den Hochschulen;
- Anpassungen zur Verbesserung der Qualität und der Vergleichbarkeit der Ergebnisse (in erster Linie aufgrund der Evaluationsresultate) sowie zum Schliessen von Lücken.
Die SUK will mit den Ergebnissen der Kostenrechnung zwei klare Ziele erreichen: den Universitäten soll ein internes Führungsinstrument zur Verfügung gestellt werden, den Hochschulträgern und weiteren an der Finanzierung beteiligten Institutionen ein Informationsinstrument.
Die Kostenrechnung: ein langer Prozess
Das Ziel der universitären Kostenrechnung besteht darin, die Kosten der Leistungen von Universitäten und Eidgenössischen Technischen Hochschulen zu berechnen. Damit wird es möglich, die jährlichen Ausbildungskosten pro Student/In in den verschiedenen Fachbereichen festzustellen. Die Kostenrechnung basiert auf dem Vollkostenprinzip, indem sie die kalkulatorischen Kosten und Erträge zu den Ausgaben und Einnahmen der Finanzrechnung hinzunimmt. Die Berechnung der Kosten der verschiedenen universitären Leistungen durchläuft drei Phasen: Berechnung der Kostenarten (z.B. der Löhne), Zuordnung dieser Kosten zu verschiedenen Kostenstellen (z. B. den Instituten) und Berechnung der verschiedenen Kostenträger bzw. Leistungen: der Grundausbildung, der weiterführenden Ausbildung für immatrikulierte Studierende, der Forschung, der Weiterbildung und der Dienstleistungen.
Die Ermittlung der Kosten einer universitären Ausbildung, die auf dem Postulat einer engen Verbindung von Lehre und Forschung beruht, erfolgt mittels Berechnung von Indikatoren. Der ausgewählte Indikator (Indikator 3) bezieht ausser den direkten Kosten der Lehre auch die Kosten der Forschung mit ein, soweit sie zu Lasten des Hochschulträgers gehen (also ohne die hauptsächlich vom Nationalfonds geleistete Projektfinanzierung und ohne Forschungssubventionen).
Erste Ergebnisse
Die wesentlichsten Ergebnisse der universitären Kostenrechnung 2004 sind in der Broschüre "Kosten eines Universitätsstudiums" vereinigt. Da die Kosten der Leistungen der Universitätsspitäler zu Gunsten von Lehre und Forschung nicht ermittelt werden konnten, stehen die Kosten der Ausbildung in Humanmedizin noch aus.
Eine erste Phase der Arbeiten führte zur Bestimmung der Gesamtkosten der Universitäten: sie belaufen sich für alle universitären Hochschulen zusammen auf 5425 Millionen Franken. Die Darstellung der Kosten nach den verschiedenen Leistungskategorien zeigt eine Kostenstruktur, welche die Schweizer Universitäten als Forschungsuniversitäten ausweist. Die diesbezüglichen Unterschiede zwischen den beiden Fachbereichsgruppen Geistes- und Sozialwissenschaften einerseits, exakte und technische Wissenschaften sowie Naturwissenschaften andererseits sind aufschlussreich. Sie reflektieren die unterschiedliche Forschungsintensität, die Lehrbelastung und indirekt auch die Betreuungsverhältnisse.
Kosten der Universitäten und der ETH
| Leistungen | Gesamtkosten* | Fachbereichs- gruppe I** | Fachbereichs- gruppe II*** | |||
| CHF Mio. | % | CHF | % | CHF | % | |
| Grund- ausbildung | 1459 | 27% | 664 | 45% | 578 | 22% |
| weiterführende Ausbildung | 417 | 8% | 110 | 7% | 236 | 9% |
| Forschung | 2875 | 53% | 583 | 38% | 1566 | 61% |
| Weiterbildung | 188 | 3% | 75 | 5% | 39 | 2% |
| Dienstleistungen | 486 | 9% | 71 | 5% | 157 | 6% |
| Total | 5425 | 100% | 1503 | 100% | 2576 | 100% |
| Studierende | 110776 | 69624 | 28411 | |||
*) Kosten der Universitätsspitäler: unvollständig
**) Fachbereichsgruppe I: Geistes- und Sozialwissenschaften
***) Fachbereichsgruppe II: exakte und technische Wissenschaften, Naturwissenschaften
Auf der Ebene der Fachbereiche zeigen die durchschnittlichen Kosten der Grundausbildung deutliche Unterschiede. Diese reflektieren auch hier die Forschungsaktivität, die Studierendenzahlen und die Betreuung. Es überrascht daher nicht, dass die tiefsten Kosten sich genau in jenen Fächern finden, wo die Studierendenzahlen am höchsten sind und die Betreuung am schlechtesten ist. Die unterschiedlichen Kosten im gleichen Fachbereich an verschiedenen Universitäten haben denselben Grund.
Kosten der Grundausbildung nach Fachbereichen
| Fachbereich | Kosten in CHF | Studierende | Stud./Prof. |
| Theologie | 37343 | 983 | 13 |
| Sprach- und Literaturwissenschaften | 20298 | 8009 | 40 |
| Historische und Kulturwissenschaften | 16122 | 7658 | 49 |
| Sozialwissenschaften | 14086 | 17284 | 82 |
| Wirtschaftswissenschaften | 15477 | 12062 | 52 |
| Recht | 12522 | 10537 | 59 |
| Exakte Wissenschaften | 64564 | 4545 | 15 |
| Naturwissenschaften | 67678 | 6366 | 18 |
| Pharmazie | 54896 | 837 | 27 |
| Bauwesen und Geodäsie | 59660 | 3040 | 29 |
| Maschinen- und Elektroingenieurwesen | 65409 | 3716 | 26 |
| Agrar- und Forstwissenschaften | 111552 | 467 | 20 |
Die Kostenrechnung im Kontext der Hochschullandschaft
Die Kostenrechnung stellt den politischen und akademischen Verantwortlichen der Hochschulen ein Führungsinstrument zur Verfügung, mit dem sowohl die einzelnen Hochschulen als auch das Gesamtsystem gestärkt werden können. Mit ihrer Hilfe können eventuelle Schwächen in der Kostenstruktur der universitären Hochschulen identifiziert werden. Ihre Resultate liefern ausserdem eine bessere Grundlage für die Beiträge gemäss Interkantonaler Universitätsvereinbarung (IUV).
Schliesslich erhalten die Daten der Kostenrechnung eine besondere Bedeutung im Rahmen der aktuellen Diskussion über die Reform der Hochschullandschaft. Die laufende Reform umfasst auch Aspekte des Finanzierungssystems. Der Entwurf eines neuen Bildungsartikels in der Bundesverfassung, über den das Volk im kommenden Mai abstimmen wird und der einen Grundpfeiler dieser Reform darstellt, sieht vor, dass der Bund seine Unterstützung der Hochschulen an die Voraussetzung einheitlicher Finanzierungsgrundsätze binden kann. Ein Schlüsselelement des neuen Finanzierungssystems, das derzeit geprüft wird, stellen die "Standardkosten" dar, die ihrerseits auf den Ergebnissen der Kostenrechnung basieren.
Zur Gesamtveröffentlichung "Kosten eines Universitätsstudiums. Ergebnisse der Kosten- und Leistungsrechnung 2004, Universitäten und ETH", April 2006
