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Pressemeldungen

Hochschulpolitik - 20.04.2006

Kosten eines Universitätsstudiums

Ergebnisse der Kosten- und Leistungsrechnung 2004, Universitäten und ETH
Die Schweizerische Universitätskonferenz (SUK) hat beschlossen, die Ergebnisse der Kostenrechnung 2004 für die zehn Universitäten und die beiden ETH erstmals zu publizieren, auch wenn sie nicht vollständig sind und die Daten der Hochschulen nicht ganz vergleichbar sind. Die SUK ist der Meinung, dass diese Transparenz die qualitative Verbesserung der Ergebnisse in den nächsten Jahren fördern wird.
 
Ziele und Arbeitsphasen
 
Durch die Lancierung des Projekts "Einführung der Kostenrechnung an den universitären Institutionen" im Jahr 1999, das eine Fortsetzung des "New Public Management / NPM" darstellt, wollte die damalige SHK ein Instrument schaffen, um bei den Kosten für die Leistungen der universitären Hochschulen mehr Transparenz zu erreichen und über vergleichbare Daten zu verfügen. Zu diesem Zweck hatte sie eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, ein gemeinsames Kostenrechnungsmodell auszuarbeiten.
 
Die finanziell vom Bund unterstützten Arbeiten liefen in fünf Phasen ab, deren letzte noch im Gange ist:
  1. Entwicklung des Kostenrechnungsmodells, Vernehmlassung an den universitären Hochschulen und Validierung;
  2. Umsetzung an Universitäten und ETH;
  3. Synthetisierung zur Ermittlung der Ergebnisse auf gesamtschweizerischer Ebene;
  4. Evaluation des Modells und seiner Umsetzung an den Hochschulen;
  5. Anpassungen zur Verbesserung der Qualität und der Vergleichbarkeit der Ergebnisse (in erster Linie aufgrund der Evaluationsresultate) sowie zum Schliessen von Lücken.
 
Die SUK will mit den Ergebnissen der Kostenrechnung zwei klare Ziele erreichen: den Universitäten soll ein internes Führungsinstrument zur Verfügung gestellt werden, den Hochschulträgern und weiteren an der Finanzierung beteiligten Institutionen ein Informationsinstrument.
 
Die Kostenrechnung: ein langer Prozess
 
Das Ziel der universitären Kostenrechnung besteht darin, die Kosten der Leistungen von Universitäten und Eidgenössischen Technischen Hochschulen zu berechnen. Damit wird es möglich, die jährlichen Ausbildungskosten pro Student/In in den verschiedenen Fachbereichen festzustellen. Die Kostenrechnung basiert auf dem Vollkostenprinzip, indem sie die kalkulatorischen Kosten und Erträge zu den Ausgaben und Einnahmen der Finanzrechnung hinzunimmt. Die Berechnung der Kosten der verschiedenen universitären Leistungen durchläuft drei Phasen: Berechnung der Kostenarten (z.B. der Löhne), Zuordnung dieser Kosten zu verschiedenen Kostenstellen (z. B. den Instituten) und Berechnung der verschiedenen Kostenträger bzw. Leistungen: der Grundausbildung, der weiterführenden Ausbildung für immatrikulierte Studierende, der Forschung, der Weiterbildung und der Dienstleistungen.
 
Die Ermittlung der Kosten einer universitären Ausbildung, die auf dem Postulat einer engen Verbindung von Lehre und Forschung beruht, erfolgt mittels Berechnung von Indikatoren. Der ausgewählte Indikator (Indikator 3) bezieht ausser den direkten Kosten der Lehre auch die Kosten der Forschung mit ein, soweit sie zu Lasten des Hochschulträgers gehen (also ohne die hauptsächlich vom Nationalfonds geleistete Projektfinanzierung und ohne Forschungssubventionen).
 
Erste Ergebnisse
 
Die wesentlichsten Ergebnisse der universitären Kostenrechnung 2004 sind in der Broschüre "Kosten eines Universitätsstudiums" vereinigt. Da die Kosten der Leistungen der Universitätsspitäler zu Gunsten von Lehre und Forschung nicht ermittelt werden konnten, stehen die Kosten der Ausbildung in Humanmedizin noch aus.
 
Eine erste Phase der Arbeiten führte zur Bestimmung der Gesamtkosten der Universitäten: sie belaufen sich für alle universitären Hochschulen zusammen auf 5425 Millionen Franken. Die Darstellung der Kosten nach den verschiedenen Leistungskategorien zeigt eine Kostenstruktur, welche die Schweizer Universitäten als Forschungsuniversitäten ausweist. Die diesbezüglichen Unterschiede zwischen den beiden Fachbereichsgruppen Geistes- und Sozialwissenschaften einerseits, exakte und technische Wissenschaften sowie Naturwissenschaften andererseits sind aufschlussreich. Sie reflektieren die unterschiedliche Forschungsintensität, die Lehrbelastung und indirekt auch die Betreuungsverhältnisse.
 
 
Kosten der Universitäten und der ETH
 
Leistungen  Gesamtkosten* Fachbereichs-
gruppe I**
 Fachbereichs-
gruppe II***
  CHF Mio.
 % CHF % CHF %
Grund-
ausbildung
 1459 27% 66445%  578 22%
weiterführende
Ausbildung
 417 8% 110 7% 236 9%
Forschung 2875 53% 583 38% 1566 61%
Weiterbildung 188 3% 75 5% 39 2%
Dienstleistungen 486 9% 71 5% 157 6%
Total 5425 100% 1503 100% 2576 100%
Studierende 110776  69624  28411 

*)   Kosten der Universitätsspitäler: unvollständig
**)   Fachbereichsgruppe I: Geistes- und Sozialwissenschaften
***)   Fachbereichsgruppe II: exakte und technische Wissenschaften, Naturwissenschaften
 

 
Auf der Ebene der Fachbereiche zeigen die durchschnittlichen Kosten der Grundausbildung deutliche Unterschiede. Diese reflektieren auch hier die Forschungsaktivität, die Studierendenzahlen und die Betreuung. Es überrascht daher nicht, dass die tiefsten Kosten sich genau in jenen Fächern finden, wo die Studierendenzahlen am höchsten sind und die Betreuung am schlechtesten ist. Die unterschiedlichen Kosten im gleichen Fachbereich an verschiedenen Universitäten haben denselben Grund.
 
 
Kosten der Grundausbildung nach Fachbereichen
 
Fachbereich Kosten in CHF  Studierende Stud./Prof.
Theologie 37343 983 13
Sprach- und Literaturwissenschaften
 20298 8009 40
Historische und Kulturwissenschaften
 16122 7658 49
Sozialwissenschaften 14086 17284 82
Wirtschaftswissenschaften 15477 12062 52
Recht 12522 10537 59
Exakte Wissenschaften
 64564 4545 15
Naturwissenschaften  67678 6366 18
Pharmazie 54896 837 27
Bauwesen und Geodäsie
 59660 3040 29
Maschinen- und Elektroingenieurwesen
 65409 3716 26
Agrar- und Forstwissenschaften
 111552 467 20

 
 
 
Die Kostenrechnung im Kontext der Hochschullandschaft
 
Die Kostenrechnung stellt den politischen und akademischen Verantwortlichen der Hochschulen ein Führungsinstrument zur Verfügung, mit dem sowohl die einzelnen Hochschulen als auch das Gesamtsystem gestärkt werden können. Mit ihrer Hilfe können eventuelle Schwächen in der Kostenstruktur der universitären Hochschulen identifiziert werden. Ihre Resultate liefern ausserdem eine bessere Grundlage für die Beiträge gemäss Interkantonaler Universitätsvereinbarung (IUV).
 
Schliesslich erhalten die Daten der Kostenrechnung eine besondere Bedeutung im Rahmen der aktuellen Diskussion über die Reform der Hochschullandschaft. Die laufende Reform umfasst auch Aspekte des Finanzierungssystems. Der Entwurf eines neuen Bildungsartikels in der Bundesverfassung, über den das Volk im kommenden Mai abstimmen wird und der einen Grundpfeiler dieser Reform darstellt, sieht vor, dass der Bund seine Unterstützung der Hochschulen an die Voraussetzung einheitlicher Finanzierungsgrundsätze binden kann. Ein Schlüsselelement des neuen Finanzierungssystems, das derzeit geprüft wird, stellen die "Standardkosten" dar, die ihrerseits auf den Ergebnissen der Kostenrechnung basieren.

Zur Gesamtveröffentlichung "Kosten eines Universitätsstudiums. Ergebnisse der Kosten- und Leistungsrechnung 2004, Universitäten und ETH", April 2006
Gerda Burkhard
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Letzte Aktualisierung: 30.06.10